Ausstellungseröffnung NöArt am 30.07.2010

Ausstellungseröffnung NöArt am 30.07.2010

H.H. Capor – Veiling Männerblicke.
Fotografierte Wünsche und Realität

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG   30.07.2010 um 17.00 Uhr Gemeindeamt Yspertal
Ausstellungsdauer 31.07 - 08.08.2010

Öffungszeiten:
Mo,Mi u. Fr. 09.00 - 12.00 u. 14.00 - 16.00 Uhr
Di u. Do 09.00 - 12.00 Uhr
Sa u. So 09.00 - 11.00 Uhr

Syrien 2005/06. Eine junge Frau begibt sich an den Strand, um Sonne, Luft und Wasser zu genießen. Dabei trägt sie den in muslimischen Ländern gängigen Schleier, der als schwarzes Tuch den ganzen Körper und das Haar bedeckt. Scheinbar zufällig wird sie dabei fotografiert.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine inszenierte Fotoserie des österreichischen Fotografen Hermann Capor. Der Titel „Veiling“ führt die beiden unterschiedlichen Realitäten, die dabei zusammentreffen, besonders deutlich vor Augen: Zum einen das politische Gebot, sich als Frau an einem öffentlichen Ort wie dem Strand den strengen Sittenregeln entsprechend zu verschleiern, zum anderen der Wunsch, den Strand ganz privat als Freizeitort mit sportlichen Tätigkeiten (nicht zufällig erinnert das englische „veiling“ an „surfing“, „sailing“, „bathing“ etc.) zu nützen.

In Hermann Capors fotografischem Werk steht der weibliche Körper mit all seinen sozialen, kulturellen und geschlechtlichen Implikationen uneingeschränkt im Mittelpunkt. Gerade in den letzten Jahren entstanden einige Serien, die aus einer persönlichen Betroffenheit heraus soziokulturelle Missstände thematisieren. Seine intensiven Reiseaktivitäten quer über die Kontinente und innerhalb verschiedener Kulturkreise sensibilisieren ihn, mit der Kamera hinter die Oberfläche vermeintlich unveränderbarer Realitäten zu blicken.

Dabei geht Hermann Capor immer auf sehr ästhetische Weise vor. Auch Serien, die nicht im Studio entstehen, sind durchgängig inszenierte Fotografien, auf denen die Abgebildeten für den Fotografen posieren und seine Vorstellungen vom Bild umsetzen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Modelle nicht mit ihrer eigenen Geschichte und ihrer besonderen Körperrealität ernst genommen werden. So wie der Fotograf sich beinahe jedes Mal selber mit ins Bild bringt – dies kann auf explizite aber auch implizite Weise mittels Gesten, Blicken oder dem Einnehmen einer bestimmten Kameraposition geschehen –, sind die dargestellten Frauen in vielen seiner Serien nicht austauschbar, sondern verkörpern durch ihre persönliche Biografie das Thema der fotografischen Befragung.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Veiling“ steht die gleichnamige Fotoserie, die sich dem Thema der Verschleierung des weiblichen Körpers in islamischen Ländern widmet. Diese Serie wird um weitere Arbeiten aus den letzten Jahren ergänzt, die einen noch stärkeren autobiografischen Ausgangspunkt haben. Sowohl in der Arbeit „Meine Töchter“ als auch in „Aging“ kommt der Fotograf mit aufs Bild. Es geht ihm jeweils um das bildliche Erarbeiten eines Spektrums an Möglichkeiten: Welche jungen Frauen könnten alle seine Töchter sein, welche erotischen Konstellationen könnten sich zwischen einem alternden Mann und einer jungen Frau ergeben? Im Durchspielen all dieser Konjunktive wird nicht nur eine neue Sicht auf die Wirklichkeit erprobt, sondern diese auch jeweils ein Stück verändert.

15.07.2010